Hamburger Abendblatt vom 23.6.2020

Hamburgs Schulen sollen im August zum Regelbetrieb zurückkehren

Nach den Sommerferien sollen Hamburgs allgemeinbildende Schulen wieder zum Regelbetrieb zurückkehren – mit allen Klassen und in allen Fächern. Das hat Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstagabend im Schulausschuss der Bürgerschaft angekündigt.​ Dazu soll die derzeit noch geltende Abstandsregel von 1,50 Meter für Grundschulen, Stadtteilschulen, Gymnasien und Sonderschulen aufgehoben werden. Nur so sei es möglich, anstelle eines Unterrichts in kleineren Gruppen wie zuletzt ab dem 6. August wieder einen normalen Unterricht wie vor der Corona-Krise anzubieten, sagte Rabe. „Wir möchten, dass der Stundenplan vollumfänglich gewährleistet ist.“

Mit dieser Absicht stütze sich die Schulbehörde auf Vereinbarungen der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten sowie auf einen Beschluss der Kultusminister, sagte Rabe.

Für den Fall, dass es in Hamburg wieder erheblich mehr Corona-Infektionen gäbe, sollen sich die allgemeinbildenden Schulen auf zwei Alternativszenarien vorbereiten: Nicht auszuschließen sei, dass an einigen Hamburger Schulen auch nach den Sommerferien weiterhin die Abstandsregel gelten müsse, was den Präsenzunterricht einschränken würde, und dass an einigen Schulen womöglich zeitweise gar keine Präsenzlehre stattfinden könne, sagte Rabe.

Zwischen diesen Varianten sollen die Schulen aber möglichst „zügig wechseln“ können, erklärte der Schulsenator.​ Der Regelbetrieb soll flankiert werden durch bestimmte Hygieneregeln, die etwa für den Sportunterricht gelten sollen und zurzeit von der Schulbehörde erarbeitet werden. Es sei zwar wichtig, Ausnahmeregeln zu gewährleisten, sagte Rabe. Er sei aber angesichts der niedrigen Infektionszahlen in Hamburg zuversichtlich, dass die Ausnahmen nach den Schulferien nicht nötig sein werden.


Schüler sollen wieder normal lernen… aber nur, wenn es nach den Ferien nicht viele neue Corona-Fälle in Hamburg gibt. Behörde zahlt Test für alle Lehrer.

Marc Hasse

Hamburg  Während das aktuelle Schuljahr zu Ende geht und viele Hamburger Kinder und Jugendliche ihre Zeugnisse abholen, zeichnet sich ab, wie es mit dem Unterricht nach den Sommerferien weitergehen könnte: weitestgehend „normal“ – bestenfalls. Wie Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstagabend ankündigte, sollen die allgemeinbildenden Schulen der Hansestadt am 6. August zum Regelbetrieb zurückkehren, mit allen Klassen und in allen Fächern. Dazu soll die Abstandsregel von 1,50 Metern für Grundschulen, Stadtteilschulen, Gymnasien und Sonderschulen aufgehoben werden.

Nur so sei es möglich, anstelle eines Unterrichts in kleinen Gruppen wie zuletzt künftig wieder einen Unterricht mit gewöhnlicher Sitzordnung wie vor der Corona-Krise anzubieten, sagte Rabe. „Wir möchten, dass der Stundenplan vollumfänglich gewährleistet ist.“ Die Schulbehörde stütze sich mit ihrer Absicht auf Vereinbarungen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten und auf Beschlüsse der Kultusminister, sagte Rabe.

Für den Fall, dass es nach den Sommerferien in Hamburg wieder erheblich mehr Corona-Fälle gibt, sollen die allgemeinbildenden Schulen zwei alternative Szenarien „mitplanen“, wie der Schulsenator erklärte. Nicht auszuschließen sei, dass an einigen Schulen weiterhin die Abstandsregel gelten müsse, was den Präsenzunterricht einschränken würde, und dass an einigen Schulen zeitweise gar kein Präsenzunterricht stattfinden könne. Zwischen diesen Varianten sollen Schulen „zügig wechseln“ können, sagte Rabe. Angesichts der zurzeit niedrigen Infektionszahlen sei er jedoch zuversichtlich, dass diese Ausnahmeregeln nach den Sommerferien nicht zur Anwendung kommen müssen.

Den Regelbetrieb flankieren sollen Auflagen insbesondere für die Fächer Sport und für Musik, etwa wegen Gesangsübungen. „Hierfür erarbeiten wir zurzeit besondere Regelungen“, sagte Rabe, der dazu keine genaueren Angaben machte.

Sollten Corona-Infektionen bei Schülern nachgewiesen werden, reiche es womöglich, dass sich nur die betroffenen Schüler in Quarantäne begeben müssten. Nicht auszuschließen sei allerdings, dass im Extremfall eine ganze Schule zeitweise geschlossen werden müsse, sagte Rabe.

Apropos Quarantäne: Kehren Schüler oder Lehrer aus Ländern zurück, die zum Zeitpunkt der Rückreise vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiete eingestuft werden (derzeit gilt das etwa für Schweden und die Türkei), dürfen betroffene Schüler und Lehrer zwei Wochen nach ihrer Rückkehr keine Schule betreten, wie Rabe auf Nachfrage von Abgeordneten im Ausschuss erklärte.

Die Schulbehörde will künftig Corona-Tests für Lehrer auch dann bezahlen, wenn Lehrer keine typischen Symptome wie trockenen Husten und Halskratzen haben, aber einen Corona-Test wünschen, sagte Rabe. Eine Arbeitsgruppe sei dabei, das zu klären.

Für die Berufsschulen sei noch unklar, wie es nach den Sommerferien weitergehe, sagte der Schulsenator. Wegen des Neubauprogramms für Berufsschulen gebe es inzwischen allerdings „sehr großzügige Raumangebote“. Deshalb werde es wohl selbst unter Einhaltung der Abstandsregeln möglich sein, einen umfangreichen Präsenzunterricht an Berufsschulen anzubieten.

In etlichen Fragen insbesondere von Abgeordneten aus der Opposition ging es um die Qualität des internetbasierten Fernunterrichts, der zuletzt den Unterrichtsalltag vieler Tausend Schüler in Hamburg bestimmt hatte und der womöglich auch weiterhin angeboten werden muss. „Man muss den Fernunterricht dringend verbessern. Der Handlungsbedarf ist groß“, sagte Rabe. Große Fortschritte könne es aber nicht innerhalb weniger Wochen geben. „Hier gibt es so viele Stellschrauben – das braucht länger, viel länger.“

Um das Lernmanagementsystem Moodle, das etwa gemeinsames Arbeiten an Texten und Videokonferenzen ermöglicht, stadtweit an Schulen zum Laufen zu bringen, gebe es mehrere Maßnahmen. So seien zuletzt etwa ausgewählte Lehrer fortgebildet worden, damit sie ihren Kollegen den Umgang mit der Onlineplattform erklären könnten.

Die Schulbehörde habe vor Kurzem rund 35.000 mobile Endgeräte bestellt. Die Lieferung zum Beginn des kommenden Schuljahres sei gesichert. So könne das Ziel erreicht werden, zunächst im Schnitt ein Gerät für vier Grundschüler und ein Gerät für fünf Schüler an weiterführenden Schulen anzubieten.

Damit Schüler Lernrückstände aufholen können, sollen die Schulen verschiedene Förderangebote machen, etwa die sogenannten Lernferien. Wie viele Eltern ihre Kinder dafür angemeldet haben, lasse sich noch nicht beziffern, sagte eine Mitarbeiterin der Schulbehörde.